AK startet Debatte über die Gestaltung des Strukturwandels im Land

Pressedienst vom

„Die Transformation ist in vollem Gange. Wir müssen schnell Instrumente finden, um den Technologie- und Strukturwandel nachhaltig und beschäftigungsorientiert zu gestalten. Dazu brauchen wir zügig einen umfassenden Diskurs über konkrete Handlungsmöglichkeiten nach der Prämisse „agieren statt reagieren“. Genau diese Debatte haben wir heute gestartet“, sagt Jörg Caspar, Vorstandsvorsitzender der Arbeitskammer des Saarlandes.

Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen, die den Kriterien Guter Arbeit entsprechen, steht dabei im Zentrum. Die saarländische Industrie bietet sichere, mitbestimmte Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen und Löhnen. Die Bruttolohn- und -gehaltsumme in der saarländischen Industrie lag im Jahr 2018 bei rund 4,7 Milliarden Euro bzw. 45.000 Euro je Arbeitnehmer*in und damit knapp 37 Prozent über dem Durchschnittsverdienst in der saarländischen Gesamtwirtschaft.

„Das Saarland ist auf seinen gut organisierten, stark tarifgebundenen und damit in der Regel gut entlohnten industriellen Kern angewiesen. Die Beschäftigten der Industrie haben ein enormes Kaufkraftpotenzial. Fällt dieses an der Saar weg, wird sich das in der gesamten saarländischen Wirtschaft, also auch in vielen Dienstleistungsbereichen oder dem Handwerk, bemerkbar machen. Auch wenn wir die Klimaziele unterstützen – die Wettbewerbsfähigkeit der industriellen Basis im Saarland muss erhalten bleiben. Bei den vielen Herausforderungen und Veränderungsprozessen kann dies nur durch eine umfassende Beteiligung der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretungen gewährleistet werden“, so Caspar.

Damit der anstehenden Strukturwandel gelingen kann, darf das Saarland nicht alleine gelassen werden. „Bund und EU müssen hier (vorab) finanziell unterstützen – etwa durch einen auskömmlich finanzierten Industriefonds“, schlägt Caspar vor. Unternehmen müssen ihre individuelle Transformation (zwischen-)finanzieren können. Neue Ideen brauchen Anschubfinanzierung. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die regionale Wirtschaft nicht von Investoren abhängig ist, die rein kurzfristige Gewinninteressen verfolgen und keinen Wert auf Beschäftigungssicherung am Standort Saarland legen.

Caspar fordert die Politik auch dazu auf, die Vernetzung, den Austausch von Wissen, Cross-Innovationen, das Anstoßen von Kooperationen zwischen Hochschule, Startup-Szene und etablierter Industrieunternehmen sowie Mittelstand voranzutreiben: „Die Industrie muss mit ihren realen Geschäftsmodellen an neue digitale Geschäftsmodelle anknüpfen. Unternehmen müssen zu Investitionen in neue oder auch fachfremde Technologien motiviert werden. Die Ankündigung von ZF, einen Forschungsstandort im Kontext der Helmholtz-Ansiedlung an der Uni Saarbrücken schaffen zu wollen, ist ein erster wichtiger Fingerzeig, wohin die Reise gehen sollte. Ziel muss es sein, dass weitere etablierte Unternehmen diesem Beispiel folgen“. Und wir dürfen die Weiterentwicklung der Produktionsarbeitsplätze nicht außer Acht lassen.

Langfristig müssen auch die oft weniger gut bezahlten und schlechter ausgestalteten Dienstleistungstätigkeiten aufgewertet werden. Insbesondere Sorge- und Familienarbeit muss anerkannt werden. Für die Dienstleistungsbereiche im Allgemeinen gilt, dass die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse hinter der in der Industrie zurückbleibt. „Auch aus diesen Gründen brauchen wir eine zukunftsorientierte Dienstleistungspolitik im Saarland, die den Aspekt Gute Arbeit stärker im Blick hat und die Mitbestimmungsstrukturen verbessert“, so Caspar abschließend.

Anke Rehlinger, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, spricht sich ebenfalls für eine starke industrielle Basis aus und verweist auf die Wichtigkeit einer breit aufgestellten Wirtschaftsstruktur im Land: „Energiewirtschaft und Automobilindustrie befinden sich mitten in einem grundlegenden Strukturwandel. Damit es uns gelingt, ihn gemeinsam erfolgreich zu gestalten,  müssen wir die Herausforderungen, die da kommen, aktiv angehen und den digitalen Wandel nicht einfach mit uns passieren lassen. Dazu brauchen wir eine starke industrielle Basis und eine gesunde, breit aufgestellte Wirtschaftsstruktur. Hier gehen wir mit Digitalisierung und KI, mit alternativen Antrieben und der Modernisierung der Auto- und Stahlindustrie und dem konsequenten Ausbau von florierenden Wirtschaftszweigen wie Gastronomie und Tourismus bereits richtige Wege. Wie wir den digitalen Wandel weiter erfolgreich steuern können, dazu waren und sind wir mit Wirtschaft, Politik und Verbänden weiter im Diskurs. So tragen wir auch Sorge dafür, dass der Mensch weiterhin im Mittelpunkt der Digitalisierung steht.“

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