Die Altenpflege muss deutlich aufgewertet werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Pressedienst vom

Der Beruf der Altenpflege muss dringend aufgewertet werden. „Ziel muss es sein, die Löhne in der Altenpflege deutlich und einheitlich anzuheben“, betont Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer, im Vorfeld des „Tags der Pflegeberufe“, den das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie am 29. Mai in der Saarbrücker Congresshalle ausrichtet. Die Arbeitskammer wird ebenfalls vertreten sein.

„Wir begrüßen, dass die Bundesregierung im Koalitionsvertrag verabredet hat, die Voraussetzungen für einen bundesweit allgemeinverbindlich gültigen Tarifvertrag Altenpflege zu schaffen, der für alle Beschäftigten in der stationären und ambulanten Altenpflege gelten soll“, betont Zeiger. Doch das muss bald geschehen, denn der Fachkräftemangel gerade in der ambulanten Altenpflege im Saarland ist eklatant.

Das Saarland hat im Ländervergleich die geringste Versorgungsdichte mit ambulanten Pflegediensten. Im Bundesschnitt betreuen 20 Vollzeitkräfte 62 Pflegebedürftige am Tag. Im Saarland ist das Verhältnis 20 zu 80. Das heißt: Eine Pflegekraft im ambulanten Dienst im Saarland hat deutschlandweit die meisten Pflegebedürftigen zu betreuen. Zwar arbeiten im Vergleich zu 1997 im Saarland 69 % mehr Menschen in der Altenpflege, im Bund ist der Anstieg der Zahl der Beschäftigten aber mit 112 % im gleichen Zeitraum weitaus größer. Aus Sicht der Arbeitskammer muss, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, der Personalschlüssel deutlich verbessert werden. Nur so werden die Arbeitsbelastungen der Beschäftigten verringert und das Berufsfeld insgesamt attraktiver.

Ein weiterer Grund für den Fachkräftemangel ist, dass die Altenpflege bei den Löhnen im Bund und im Saarland im Vergleich zu den übrigen Berufen besonders weit zurückliegt. Fachkräfte in der Altenpflege verdienten 2017 im Mittel (Median) im Saarland lediglich 2827 Euro brutto bei einer Vollzeitstelle. Das sind 500 Euro unter dem saarländischen Durchschnitt. Hilfskräfte in der Altenpflege verdienen sogar 681 Euro weniger als Altenpflege-Fachkräfte. „Dabei muss bedacht werden, dass die Altenpflege (wie alle Pflegeberufe) frauendominiert ist. Das heißt, die Teilzeitquote ist überdurchschnittlich hoch und damit der Verdienst der einzelnen Fachkraft geringer“, sagt Beatrice Zeiger. Ein wichtiger Grund für das Einkommensgefälle der beiden Berufsgruppen: Während in der Krankenpflege eine relativ hohe Tarifbindung besteht, ist diese in der Altenpflege geringer.

Das bleibt nicht ohne Folgen. „Es ist zu befürchten, dass sich bei dem derzeitigen Einkommensgefälle und den Arbeitsbedingungen die Auszubildenden eher für die Kranken- als für  die Altenpflege entscheiden. Der Fachkräftemangel vor allem in der Altenpflege wird so bestehen bleiben“, betont Beatrice Zeiger.
Hintergrund: Zu diesem Ergebnis kommt auch eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) an der Hochschule Gelsenkirchen.

Hier finden Sie die den Link zur Pressemittelung und zur Studie der Hans Böckler Stiftung  https://www.boeckler.de/117819_119320.htm

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