Was versteht man unter einer Abmahnung?

Eine Abmahnung ist eine Warnung des Arbeitgebers bei einem Verstoß des Arbeitnehmers gegen seine Vertragspflichten. Mit der Abmahnung gibt der Arbeitgeber dem Betroffenen Gelegenheit, sich wieder vertragstreu zu verhalten. Damit die Abmahnung ihre Warnfunktion erfüllen kann, muss sie

  1. dem Arbeitnehmer das missbilligte Verhalten genau benennen,
  2. für den Fall der Wiederholung unzweifelhaft mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses drohen.

Es verbieten sich demnach Abmahnungen bei Krankheit, da der Arbeitnehmer seinen Gesundheitszustand nicht bewusst steuern kann. Ebenso sind Abmahnungen wegen geringfügiger Fehler (z.B. eine Minute der Verspätung) grundsätzlich nicht gerechtfertigt. Schwammige Formulierungen wie "...erwartet die Geschäftsleitung von Ihnen für die Zukunft mehr Leistungsbereitschaft..." stellen ebenfalls keine wirksamen Abmahnungen dar.

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Muss eine Abmahnung schriftlich erfolgen?

Nein, auch eine unter Zeugen mündlich ausgesprochene Abmahnung kann bei einer Wiederholung des gerügten Fehlverhaltens zu einer verhaltensbedingten Kündigung führen. Aber auch bei diesem Ausnahmefall muss die Abmahnung ihre Warnfunktion vollständig erfüllen. Normalerweise wird eine Abmahnung jedoch schon aus Beweiszwecken schriftlich erfolgen.

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Führen zwei Abmahnungen zur Kündigung?

Eine Abmahnung führt grundsätzlich nur dann zur verhaltensbedingten Kündigung, wenn sich das gleiche Verhalten wiederholt. Demnach kommt es z. B. bei einer Abmahnung wegen eines Verstoßes gegen die Kleiderordnung und einer zweiten Abmahnung wegen häufiger Verspätungen noch nicht zu einer Kündigung. Denn bei zwei unterschiedlichen Sachverhalten muss jedes mal eine neue Abmahnung ausgesprochen werden, damit dem Arbeitnehmer das entsprechende Fehlverhalten bewusst gemacht wird. Erst wenn daraufhin das gerügte Verhalten erneut vorkommt, kann gekündigt werden.

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Wie gehe ich mit einer ungerechtfertigten Abmahnung um?

Grundsätzlich sollte der Arbeitnehmer vor jeder Abmahnung zu den Vorwürfen angehört werden. Für die Wirksamkeit der Abmahnung ist dies jedoch nicht zwingend erforderlich. Bei einer Abmahnung wegen eines Vorfalles, der sich anders als vom Arbeitgeber angenommen abgespielt hat, bietet sich die Gegendarstellung als angemessene Reaktion an. Eine ungerechtfertigte Abmahnung lässt sich auch gerichtlich überprüfen. Allerdings riskiert der Kläger in diesem Fall evtentuell eine Verschlechterung des Arbeitsklimas. Wenn er eine Gegendarstellung abgibt, kann er verlangen, dass diese zur Abmahnung in der Personalakte beigefügt wird. Insofern ergibt sich dann aus der Personalakte keine einseitige Sicht des Sachverhaltes.

Ob die Abmahnung korrekt erteilt wurde oder nicht, kann dann immer noch im Rahmen eines späteren Kündigungsschutzprozesses durch das Gericht geklärt werden. 

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Gilt eine Abmahnung für die Ewigkeit?

Nein, je nach Schwere des gerügten Vertragsverstoßes wird die Abmahnung früher oder später ihre Wirkung verlieren. Eine Abmahnung wegen einer Beleidigung eines Vorgesetzten wird dementsprechend länger wirksam sein als eine Abmahnung wegen zwei Verspätungen von jeweils zehn Minuten. Regelmäßig dürfte keine Abmahnung ihre Warnfunktion für länger als drei Jahre behalten.

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