1. Wann bin ich als Arbeitnehmer pflichtversichert?

Für Arbeitnehmer besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn kein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis ausgeübt wird und das Arbeitsentgelt unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt (2020 = 62.550 €).

Unter einer geringfügigen Beschäftigung versteht man die geringfügig entlohnte und die kurzfristige Beschäftigung. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das Ar-beitsentgelt regelmäßig im Monat 450 € nicht übersteigt. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn diese auf nicht mehr als 70 Arbeitstage oder 3 Monate innerhalb eines  Kalenderjahres begrenzt ist. Sie ist nicht kurzfristig, wenn sie berufsmäßig ausgeübt wird. Dies wird unterstellt, wenn die Beschäftigung für den Arbeitnehmer nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist, sondern zur Sicherung des Lebensunterhalts dient. Aufgrund der Corona-Pandemie  gelten für eine ausschließlich in die Zeit vom 01.03.2020 bis 31.10.2020 fallende kurzfristige Beschäftigung die Zeitgrenzen von 5 Monaten oder 115 Arbeitstagen.

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2. Wie hoch sind meine Beiträge?

Der Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung setzt sich aus dem allgemeinen Beitragssatz und einem kassenindividuellen Zusatzbeitragssatz zusammen. Die Krankenkassen kön-nen ihren individuellen Zusatzbeitrag selbst bestimmen. Der allgemeine Beitragssatz beträgt im Jahr 2020 14,6 % und der durchschnittliche Zusatzbeitrag 1,1 % des Bruttoarbeitsentgelts. Der Arbeitgeber zahlt die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge.

Beispiel:

monatliches Arbeitsentgelt = 2.100,00 €     
2.100,00 € x 7,85 % (7,3 % + 0,55 % *) = 164,85 €

* Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz variiert von Krankenkasse zu Krankenkasse.

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3. Muss ich Beiträge zahlen, wenn ich eine geringfügige Beschäftigung ausübe?

Wird lediglich eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausgeübt, fallen für den Arbeitnehmer aus dieser Beschäftigung keine Beiträge zur Krankenversicherung an. Allerdings besteht auch kein Versicherungsschutz, obwohl der Arbeitgeber pauschale Beiträge zur Krankenversicherung zahlt. Personen, die eine kurzfristige Beschäftigung ausüben, sind unabhängig von der Höhe des Arbeitsentgelts krankenversicherungsfrei.

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4. Kann ich trotz einer geringfügigen Beschäftigung kostenlos familienversichert sein?

Als Ehepartner eines Mitglieds der gesetzlichen Krankenversicherung kann eine kostenlose Familienversicherung erfolgen, wenn das regelmäßige monatliche Gesamteinkommen des zu versichernden Familienmitglieds nicht mehr als 455 € beträgt. Darunter zählen unter anderem Arbeitsentgelt, Mieteinkünfte und Kapitalerträge. Bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen beträgt die Einkommensgrenze 450 € monatlich. Einkom-men, die von vornherein für nicht mehr als 3 Monate erzielt werden, sind als unregelmäßig anzusehen und zählen nicht mit. Demnach schließt eine kurzfristige Beschäftigung – unabhängig von der Höhe des Arbeitsentgeltes – eine Familienversicherung nicht aus.

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5. Wie kann ich mich bei Ausübung einer geringfügigen Beschäftigung krankenversichern, wenn eine Familienversicherung nicht möglich ist?

Sind die Voraussetzungen für eine kostenfreie Familienversicherung nicht erfüllt, gibt es die Möglichkeit der freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung oder eine Absicherung in der privaten Krankenversicherung.

In der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung hängt der individuelle Beitrag von den gesamten Einnahmen zum Lebensunterhalt ab. Im Jahr 2020 werden als Mindesteinkom-men 1.061,67 € pro Monat zugrunde gelegt,  auch wenn das Einkommen darunter liegt. Der Arbeitnehmer muss in diesem Fall den vollen Beitragssatz, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, selbst tragen. Da kein Anspruch auf Krankengeld besteht, gilt der ermäßigte Beitragssatz von 14,0 % und der kassenindividuelle Zusatzbeitragssatz.

Berechnung Mindestbeitrag:

1.061,67 € x 15,1 % (14 % + 1,1% *) = 160,31 €
 

* Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz variiert von Krankenkasse zu Krankenkasse.

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6. Ich verdiene knapp über der Minijobgrenze. Muss ich die vollen Beiträge zahlen?

Liegt das monatliche Arbeitsentgelt zwischen 450,01 € und 1.300,00 €, handelt es sich um einen Midi-Job. In dem sogenannten Übergangsbereich zahlen Arbeitnehmer nur einen reduzierten Beitragsanteil. Der Anteil des Arbeitgebers bleibt hingegen unverändert.

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7. Gibt es eine Beitragshöchstgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung?

Als Obergrenze für die Berechnung der Versicherungsbeiträge gilt die Beitragsbemessungsgrenze. Wer mehr verdient, muss auf das Einkommen, das über dieser Grenze liegt, keine Krankenversicherungsbeiträge zahlen. Die Beitragsbemessungsgrenze beträgt im Jahr 2020 monatlich 4.687,50 €.

Berechnung:
4.687,50 € x 7,85 % (7,3 % + 0,55 % *) = 367,97 €

* Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz variiert von Krankenkasse zu Krankenkasse.

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8. Muss ich mich um die Abführung der Beiträge selbst kümmern?

Bei versicherungspflichtig Beschäftigten werden die Beiträge vom Arbeitgeber berechnet und an die Krankenkasse abgeführt.

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9. Mein Arbeitgeber fordert nachträglich Beiträge von mir. Darf er das?

Sind Abzüge für eine Lohnzahlung unterblieben, so dürfen sie nur bei den drei nächsten Lohnzahlungszeiträumen nachgeholt werden. Aber auch nur dann, wenn der Abzug ohne Ver-schulden des Arbeitgebers unterblieben ist. Dabei hat der Arbeitgeber jedoch die Pfändungsfreigrenzen einzuhalten. Länger zurückliegende Beitragsschulden hat der Arbeitgeber alleine zu tragen.

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10. Wie bin ich krankenversichert, wenn ich über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdiene?

Übersteigt das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze (2020 = 62.550 €), endet die Krankenversicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres, vorausgesetzt, dass das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt auch die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt. Da die Beschäftigung in diesem Fall versicherungsfrei ist, wird die Mitgliedschaft als freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung fortgeführt. Alternativ ist ein Wechsel in die private Krankenversicherung möglich.

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11. Muss ich den Beitrag zur freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung alleine zahlen?

 Freiwillige Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung tragen den Beitrag zur Krankenversicherung allein. Arbeitnehmer, die nur wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze krankenversicherungsfrei sind, erhalten einen Zuschuss des Arbeitgebers für ihre freiwillige Krankenversicherung. Dieser beträgt die Hälfte des einheitlichen Beitragssatzes, der bei einem versicherungspflichtigen Arbeitnehmer zu zahlen wäre, plus die Hälfte des kassenindividuellen Zusatzbeitragssatzes. Als Obergrenze gilt auch hier die Beitragsbemessungsgrenze.

Berechnung Zuschuss:

4.687,50 € x 7,85 % (7,3 % + 0,55 % *) = 367,97 €

* Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz variiert von Krankenkasse zu Krankenkasse.

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12. Bin ich krankenversichert, wenn ich längere Zeit kein Arbeitsentgelt erhalte?

Wird in einem bestehenden Arbeitsverhältnis mit Versicherungspflicht länger als einen Monat kein Arbeitsentgelt ge-zahlt, zum Beispiel wegen unbezahltem Urlaub, fällt der Krankenversicherungsschutz weg.

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13. Was bedeutet nachgehender Leistungsanspruch?

Wenn die Mitgliedschaft Versicherungspflichtiger endet, besteht Anspruch auf Leistungen längstens für einen Monat nach dem Ende der Mitgliedschaft, solange keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Dadurch können kurze Lücken, die zum Beispiel durch einen Arbeitgeberwechsel entstehen, geschlossen werden. Besteht aus anderen Gründen Versicherungspflicht oder ein Anspruch auf eine Familienversicherung, so sind diese vorrangig gegenüber dem nachgehenden Leistungsanspruch. Wird der Zeitraum von einem Monat überschritten, ist ein nachgehender Leistungsanspruch nicht möglich.

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14. Ich bin privat krankenversichert. Kann ich durch Aufnahme einer Beschäftigung wieder zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln?

Grundsätzlich tritt Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung ein, wenn kein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis ausgeübt wird und das Arbeitsentgelt unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Allerdings hat der Gesetzgeber die Wechselmöglichkeiten für privat Krankenversicherte, die bereits 55 Jahre oder älter sind, stark eingeschränkt.

Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist ausgeschlossen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • keine Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung in den vergangenen fünf Jahren und
  • mindestens in der Hälfte dieses Zeitraums war der Arbeitnehmer oder dessen Ehegatte
    1. krankenversicherungsfrei (zum Beispiel wegen Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze) oder
    2. von der Krankenversicherungspflicht befreit oder
    3. hauptberuflich selbstständig erwerbstätig.
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Kostenlose Beratung durch die Arbeitskammer

Saarländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf kostenlose Beratung durch die Arbeitskammer. Bitte wenden Sie sich in Beratungsangelegenheiten direkt an die Abteilung Beratung der AK.

Kontakt:
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