AK und IG Metall fordern verstärkte Arbeitsschutzkontrollen in den Betrieben

Pressedienst vom

Lehrstuhl für Arbeitsmedizin in Homburg muss wieder besetzt werden

Die Arbeitskammer (AK) und die IG Metall Geschäftsstellen im Saarland fordern einen besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten im Saarland. Anlass ist der 20. Jahrestag des Netzwerkes „Gesundes Arbeiten - unser Ziel“, ein Projekt der IG Metall Geschäftsstellen und der Arbeitskammer.

Jörg Caspar, erster Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen und Vorstandsvorsitzender der Arbeitskammer, erkennt durchaus Fortschritte beim betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Caspar kritisiert aber die mangelnden Beratungen und Kontrollen der Arbeitsschutzbestimmungen in den saarländischen Unternehmen. Zuständig dafür ist das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) als nachgeordnete Behörde des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, wo derzeit nur noch 18 Personen mit Arbeitsschutzaufgaben betraut sind.

Caspar fordert die Zahl deutlich zu erhöhen und am Bedarf auszurichten. Die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der EU bieten hierzu eine gute Orientierung. Sie sehen für je 10.000 Beschäftigte eine Aufsichtsperson vor. Das wären bei rund 486.000 Beschäftigten im Saarland mindestens 48 Stellen. „Nur wo sich verlässliche betriebliche Präventionsstrukturen langfristig etablieren, herrscht Rechtssicherheit“, so Caspar. „Missständen müssen auch Sanktionen folgen, sonst macht das ganze Eintreten für Arbeits- und Gesundheitsschutz keinen Sinn.“

Neben der personellen Stärkung der Aufsicht halten AK und IG Metall die Wiederbesetzung des Lehrstuhls für Arbeitsmedizin am Uniklinikum Homburg für dringend geboten. Der ist seit Jahren verwaist. Studierende müssen derzeit nach Mainz fahren, um dieses Fach zu belegen. Die Folge sind eine defizitäre Weiterbildung und ein Mangel an saarländischen Betriebsmedizinern. Besserung ist nicht in Sicht. Es fehlt an Nachwuchs.

Dabei tut Prävention im Saarland besonders Not. Der Krankenstand liegt hier bei knapp sechs Prozent, auch negativ begünstigt durch die saarländischen Produktionsstrukturen mit besonders hohen Anteilen an Schicht- und Nachtarbeit. Dieser liegt über dem Schnitt anderer Bundesländer – der bundesweite Wert liegt bei 5,3 Prozent. Häufige Diagnosen sind psychische Erkrankungen. Bundesweit fallen dadurch 250 Arbeitstage je 100 Versicherte aus, im Saarland sind es 319. Durch Probleme beim Bewegungsapparat fallen bundesweit 327 Arbeitstage aus, so die DAK Gesundheit. Im Saarland sind es 30 Tage mehr. Die Folgekosten für Unternehmen sind immens: Bundesweit hat sich dies auf Gesamtkosten von 133 Milliarden Euro summiert. Auch bei der Frühverrentung liegt das Saarland aufgrund der hohen Belastungen im Arbeitsleben über dem Bundesdurchschnitt. Jörg Caspar abschließend: „Wenn die Belastungen am Arbeitsplatz so hoch sind, dass die Arbeit krank macht, muss Schluss sein. Wir wollen, dass man nach getaner Arbeit wieder gesund nach Hause kommt.“

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