Eine branchenübergreifende Bestandsaufnahme im Saarland
von Dominik Haubner

In jüngster Zeit nimmt die Zahl der Medienberichte beständig zu, in denen skandalöse Arbeitsbedingungen der Werkvertragsarbeit thematisiert werden. Gewerkschaftliche Studien haben für einzelne Branchen eine deutliche Zunahme der Werkvertragsarbeit dokumentiert, wie auch die mit ihr verbundenen problematischen Arbeitsbedingungen und größtenteils negativen Auswirkungen auf andere Beschäftigtengruppen. Auch wenn es (noch) keine amtlichen Zahlen zur Werkvertragsentwicklung gibt, so wird nur noch äußerst selten behauptet, dass es sich lediglich um ein Randphänomen kleinerer „Schmuddel-Branchen“ handelt. Selbst in der relativ gut bezahlten Automobilindustrie ist die Zahl der Werkvertragsbeschäftigten zum Teil größer als die der Leiharbeitnehmer.

Auch im Saarland häufen sich seit einigen Jahren Presse- und Gewerkschaftsberichte über den missbräuchlichen Einsatz und skandalöse Zustände der Werkvertragsarbeit. Es gibt aber auch Regulierungsimpulse: Die saarländische Landesregierung hat Bundesinitiativen zur Regulierung der Werkvertragsarbeit unterstützt und die Arbeitskammer des Saarlandes hat sich mit Initiativen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen verstärkt engagiert.

Das Ziel der vorliegenden Studie ist es nicht nur, erstmalig durch eine unabhängige wissenschaftliche Forschungseinrichtung - auf Basis eines Branchenvergleichs - eine (qualitative) Problemevaluierung für das Saarland vorzulegen, sondern auch politische Handlungsbedarfe und –optionen für die saarländische Politik zur Diskussion zu stellen. Der Branchenvergleich fokussiert sich auf vier Branchen, die primär im Saarland in Medienberichten thematisiert wurden, nämlich die Fleisch-, Bau- und Metallindustrie sowie der Einzelhandel.

Als ein inhaltliches Ergebnis ist hervorzuheben, dass sich in der Praxis zwischen Scheinwerkverträgen und legalen Werkverträgen kaum unterscheiden lässt. Zudem bleibt der Befund, dass auch legale Werkvertragsarbeit problematisch ist und im Niedriglohnbereich zur Umgehung von und als Druckmittel gegenüber Tarifstandards eingesetzt wird. Auch zeigt sich, dass in jeder Branche ganz unterschiedliche Werkvertragskonstruktionen dominieren, die jeweils die Umgehung von Standards Guter Arbeit ermöglichen. Insofern sind, neben branchenübergreifenden Ansätzen, für jede Branche spezielle Regulierungsoptionen auf unterschiedlichen politischen Ebenen (EU, Bund, Land) zu entwickeln. In dieser Studie werden daher auch die Vorschläge hervorgehoben, die von politischen Akteuren im Saarland unterbreitet wurden, um sich auch auf saarländischer Ebene offensiv dem Werkvertragsproblem zu stellen.

Die Veröffentlichung dokumentiert die Studie, die vom Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) im Auftrag und in enger Abstimmung mit der Arbeitskammer des Saarlandes erstellt wurde.

Sie können Sie hier im PDF-Format kostenlos downloaden:

AK-Texte "(Schein) Werkverträge" - Januar 2014