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Pressedienst vom 22. April 2026

Die Menschen in Deutschland erwarten mehr vom Sozialstaat – und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Das zeigt das sozialstaatsradar 2026, für das 3.000 Personen im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Arbeitskammer des Saarlandes und des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB befragt wurden.

Die Ergebnisse des sozialstaatsradars 2026 zeigen deutlich, was sich die Bevölkerung von der Politik wünscht: Sie will nicht mehr private Vorsorge, sondern einen leistungsfähigen, gerechten und verlässlichen Sozialstaat. Dazu gehören stabile Leistungen, eine breitere Finanzierungsbasis sowie an der Lebensrealität der Menschen orientierte Sicherungssysteme – selbst dann, wenn dies höhere Beiträge bedeutet.

Aus dem sozialstaatsradar 2026 sind folgende Signale für einen starken Sozialstaat erkennbar:

  1. Die Bevölkerung spricht sich klar für solidarische Sicherungssysteme und gegen Privatisierung aus. 77 % befürworten eine gemeinsame Rentenversicherung, rund 60 % wollen Eigenanteile in der Pflege begrenzen oder abschaffen.
  2. Gleichzeitig wären rund 75 % der Beschäftigten bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn damit stabile oder bessere Rentenleistungen gesichert werden.
  3. Entgegen häufiger Behauptungen ist ein Generationenkonflikt bei der Rente nicht erkennbar: 71 % der 18- bis 29-jährigen Beschäftigten sind bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn die Rente stabil bleibt oder höher ausfällt.
  4. Zudem werden die bestehenden Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Absicherung im Bereich Gesundheit und Pflege überwiegend als ungerecht empfunden. Fast 80 % sprechen sich für eine Bürgerversicherung aus, darunter sogar eine Mehrheit der Privatversicherten.
  5. Zugleich zeigt die Studie eine wachsende Distanz zwischen politischen Debatten und Lebensrealität. 74 % lehnen eine weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters ab. Mehr als die Hälfte glaubt sogar, in ihrem Beruf nicht bis zur früheren Regelaltersgrenze von 65 Jahren arbeiten zu können.

Für die Arbeitskammern und den DGB zeigen die Ergebnisse: Der demografische Wandel darf kein Vorwand für Kürzungen sein. Aufgabe der Sozialpolitik ist und bleibt eine nachhaltige und gute Absicherung durch den Staat. Der Sozialstaat scheitert nicht am Geld, sondern am fehlenden politischen Mut zu verlässlich guten Leistungen. Wer Sicherheit will, muss sie gerecht finanzieren – etwa durch einen größeren Versichertenkreis. Auch Unternehmen stehen hier in der Verantwortung. Der Auftrag an die Politik ist klar: Das Sicherungsniveau muss steigen.

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