AK-Fakten Einkommen 2019: Arbeitskammer befürchtet ein weiteres Auseinanderdriften der Einkommen

Pressedienst vom

„Das Saarland droht bei den Einkommen abgehängt zu werden“, warnt Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes anlässlich der Vorstellung der AK-Fakten Einkommen 2019. „Der Einkommensrückstand ist nochmals größer geworden. Die Beschäftigten an der Saar verdienen im Schnitt 11,5 Prozent oder 500 Euro weniger als Beschäftigte in Westdeutschland. Zudem arbeitet im Saarland jeder fünfte Beschäftigte im Niedriglohnbereich. Das heißt,  er oder sie verdient trotz Vollzeitstelle weniger als 2.289 Euro brutto im Monat“, betont Otto.

Nach den Analysen der Arbeitskammer fiel der Anstieg der Bruttoverdienste vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer*innen im ersten Halbjahr 2019 mit 1,5 Prozent bundesweit am geringsten aus.

„Während die deutsche Wirtschaft momentan gerade durch die Binnennachfrage, vor allem durch den Konsum der privaten Haushalte, noch auf Kurs gehalten wird, hinkt das Saarland bei der Entwicklung des volkswirtschaftlichen Gesamteinkommens sowie beim Privatkonsum hinterher“, erklärt Otto. Sowohl im Vergleich zum Vorjahr, wie auch gegenüber dem Jahr 2010, weist das Saarland die niedrigsten Zuwachsraten auf.

Die effektiv höchsten Einkommen erzielen im Saarland die Beschäftigten der KfZ-Industrie (4.968 Euro). Auch in der Stahlindustrie sind die Einkommen überdurchschnittlich (4.631 Euro) und weisen zudem gegenüber Westdeutschland den geringsten Rückstand (-5 %) auf. „Gerade diese Branchen sind allerdings im aktuellen Strukturwandelprozess mit Forderungen nach Beschäftigungsabbau konfrontiert, was sich in der saarländischen Einkommensbilanz perspektivisch negativ auswirken wird und somit zu einem Rückgang des Kaufkraftpotenzials an der Saar führen könnte“, befürchtet Otto. Beschäftigungszuwächse gibt es hauptsächlich im Dienstleistungsbereich, dessen Durchschnittseinkommen 11 Prozent unter dem des Produzierenden Gewerbes liegt. Zudem weisen insbesondere die marktbestimmten Dienstleistungen einen überdurchschnittlichen Einkommensrückstand zu Westdeutschland auf.

Aus Kammersicht besonders problematisch ist, dass gerade die Bruttoverdienste von Beschäftigten mit akademischem Berufsabschluss hierzulande niedriger ausfallen: „Während Facharbeiter*innen an der Saar sogar etwas mehr verdienen als ihre westdeutschen Kollegen und Kolleginnen, liegen die Durchschnittsverdienste der Hochqualifizierten mit 6,8 Prozent unter dem westdeutschen Durchschnitt,“ betont Otto. Damit belegt das Saarland den drittletzten Platz der westdeutschen Bundesländer. „Angesichts steigender Qualifkationsbedarfe gefährden die Unternehmen im Land damit nicht zuletzt ihre Chancen bei der Gewinnung von hochqualifizierten Fachkräften“, warnt Otto.

Die AK-Fakten können Sie hier nachlesen.

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