Ab welchem Zeitpunkt habe ich Anspruch auf Entgeltfortzahlung?

Nachdem das Arbeitsverhältnis vier Wochen bestanden hat, ist der Arbeitgeber zur Entgeltfortzahlung verpflichtet. Bis zum Ende der vierwöchigen sog. Wartezeit besteht nur ein Anspruch auf Krankengeld gegenüber der Krankenkasse bei gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten.
Beispiel: Wenn die Arbeitsunfähigkeit nach 23 Tagen des Arbeitsverhältnisses eintritt und 8 Tage dauert, besteht bis zum 28. Tag nur ein Anspruch auf Krankengeld, welches von der Krankenkasse gezahlt wird. Ab dem 29. Tag besteht ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber für die restlichen drei Tage.
Übrigens: Auch „Aushilfen“, bzw. „Minijobber, die auf geringfügiger Basis sozialversicherungsfrei beschäftigt werden haben einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

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Wie hoch ist die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall?

Es ist der Lohn zu zahlen, den der Arbeitnehmer erzielt hätte, wenn er im entsprechenden Zeitraum arbeitsfähig gewesen wäre. D.h. es müssen die Arbeitsstunden gezahlt oder angerechnet werden, die aufgrund der Erkrankung ausgefallen sind. Auch Sachleistungen wie das eingeräumte Recht auf private Nutzung eines PKW müssen weiter gewährt werden. Allerdings wird bei der Berechnung der Entgeltfortzahlung nur die regelmäßige vertragliche Arbeitszeit berücksichtigt. Überstunden werden also grundsätzlich nicht mit eingerechnet. Wenn diese Überstunden allerdings so regelmäßig abgeleistet werden müssen, dass dadurch die regelmäßige Arbeitszeit im Prinzip immer höher ausfällt, als im Vertrag angegeben, müssen auch die Überstunden im Rahmen der Entgeltfortzahlung berücksichtigt werden. Bei Beschäftigten, die nach einem Dienstplan eingesetzt werden, muss die jeweilige Arbeitszeit, die sich aus dem Dienstplan ergibt, bezahlt oder angerechnet werden.

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Wie lange muss der Arbeitgeber Entgeltfortzahlung leisten?

Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung endet, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als sechs Wochen dauert.

Dabei werden Zeiten von Arbeitsunfähigkeit zusammengerechnet, wenn es sich jeweils um dieselbe Erkrankung (so genannte Folgeerkrankung) handelt und die letzte Arbeitsunfähigkeit wegen dieser Erkrankung innerhalb der letzten sechs Monate aufgetreten ist. Wenn allerdings seit dem Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit zwölf Monate verstrichen sind, muss der Arbeitgeber bei einer erneuten Folgeerkrankung wieder für bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung leisten, auch wenn es sich um eine Folgeerkrankung handeln sollte.

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Wann muss ich dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit melden?

Die Arbeitsunfähigkeit muss unverzüglich mitgeteilt werden. Grundsätzlich kann der Arbeitgeber erwarten, dass sofort nach der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit deren voraussichtliche Dauer - soweit möglich - telefonisch übermittelt wird. Dies gilt auch, wenn bei einer länger andauernden Erkrankung eine so genannte Folgebescheinigung ausgestellt wird. Die kommentarlose Übersendung einer ärztlichen Bescheinigung reicht regelmäßig nicht aus.

Darüber hinaus muss bereits die Tatsache, dass die Arbeit nicht aufgenommen werden kann, grundsätzlich unverzüglich - wenn möglich vor Arbeitsbeginn - übermittelt werden. Auch wenn kein Arzt aufgesucht wird oder aber der Arztbesuch erst später am Tage durchgeführt werden kann.

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Wann muss ich eine ärztliche Bescheinigung vorlegen?

Sobald die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage (d.h. auch Samstage, Sonn- und Feiertage zählen mit) dauert, muss eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden. Der Arbeitgeber kann dies aber auch schon bei Kurzerkrankungen von einem Tag verlangen. Er muss die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit aber schon vor der Erkrankung bekannt gegeben haben, damit der betroffene Arbeitnehmer auch bei einer Kurzerkrankung sofort den Arzt aufsucht, um die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen zu lassen.

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Was passiert, wenn die Krankheit länger dauert, als vom Arzt bescheinigt wurde?

In diesem Fall ist vom Arzt eine Folgebescheinigung zu erstellen. Die Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit muss dem Arbeitgeber wiederum unverzüglich gemeldet werden. Es reicht hierzu nicht aus, nur die Folgebescheinigung auf dem Postweg zu übermitteln.

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Womit muss ich rechnen, wenn ich keine ärztliche Bescheinigung über das Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit vorlegen kann?

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber die Lohnzahlung für den Zeitraum des Fernbleibens vom Arbeitsplatz solange verweigern, bis die ärztliche Bescheinigung vorgelegt wird. Darüber hinaus besteht die Gefahr einer Abmahnung oder gar einer verhaltensbedingten Kündigung.

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Was geschieht, wenn das Arbeitsverhältnis während der Arbeitsunfähigkeit endet?

Grundsätzlich besteht ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung nur für die Dauer des Arbeitsverhältnisses. Nach dessen Ende zahlt die Krankenkasse Krankengeld bis zum Ende der Arbeitsunfähigkeit.Voraussetzung ist aber, dass die ärztliche Bescheinigung eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit nach dem Ausscheiden ohne Unterbrechung belegt. Eine Folgebescheinigung sollte daher unbedingt noch während der laufenden Arbeitsunfähigkeit erstellt werden.

Wurde allerdings aus Anlass der Krankheit gekündigt (wovon bei einer Kündigung sofort nach Bekanntgabe der Arbeitsunfähigkeit in der Regel ausgegangen wird), muss der Arbeitgeber auch über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus bis zur Höchstdauer von sechs Wochen Entgeltfortzahlung leisten.

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