Hohe Arbeitsbelastung, unzureichender Gesundheitsschutz, zu niedrige Einkommen und wachsende Sorgen um die Rente: Die Ergebnisse des neuen „Index Gute Arbeit Saar“ zeichnen ein alarmierendes Bild der Arbeitswelt im Saarland. Die Arbeitskammer des Saarlandes sieht dringenden politischen Handlungsbedarf und fordert entschlossene Maßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen, eine stärkere Tarifbindung und eine zukunftsfeste Rentenpolitik.
Die Arbeitskammer des Saarlandes hat die Ergebnisse ihrer für das Saarland repräsentativen Beschäftigtenbefragung „Index Gute Arbeit Saar“ vorgestellt. Im Zeitraum von Januar bis Mai 2025 wurden dafür insgesamt 798 saarländische Beschäftigte zu ihrer Arbeitssituation befragt. Der Vorstandsvorsitzende der Arbeitskammer, Jörg Caspar, betont: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass es beim Thema Gute Arbeit im Saarland an vielen Stellen erheblichen Verbesserungsbedarf gibt.“
So geben 59 Prozent der Befragten an, regelmäßig in ungünstiger Körperhaltung arbeiten zu müssen, 58 Prozent berichten von sehr häufigen Unterbrechungen ihres Arbeitsflusses. Für jeweils 45 Prozent der Beschäftigten sind Arbeiten unter Lärm sowie Arbeitshetze und Zeitdruck Alltag. „Was wir dringend brauchen, ist der Ausbau von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsschutzes, die konsequente Einhaltung der geltenden Arbeits- und Gesundheitsschutzvorschriften sowie deren wirksame Kontrolle durch die Landesbehörden“, so Caspar. „Nur so lassen sich die Belastungen, unter denen viele Beschäftigte seit Jahren leiden, spürbar reduzieren.“ Alarmierend sei zudem, dass 47 Prozent der Befragten angeben, ihre derzeitige Tätigkeit nicht ohne Einschränkungen bis zum Renteneintritt ausüben zu können.
Besonders kritisch bewertet Caspar die Ergebnisse zu Einkommen und Rente. „Dass für mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) das Einkommen nicht oder nur gerade so ausreicht, ist nicht hinnehmbar“, erklärt Caspar. Ebenso „überaus besorgniserregend“ sei, dass 42 Prozent davon ausgehen, dass ihre spätere Rente nicht ausreichen wird. Die Arbeitskammer fordert daher Maßnahmen zur Stärkung der Tarifbindung sowie eine deutliche und zeitnahe Neuausrichtung der Rentenpolitik.
Sorgen bereitet der Arbeitskammer auch das rauer gewordene Klima in der Arbeitswelt. „Es ist ein ernstzunehmendes Warnsignal, dass 14 Prozent der Befragten sehr oft oder häufig herablassende oder respektlose Behandlung durch Kunden, Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte erleben“, so Caspar. Die vergangenen Krisenjahre hätten hier deutliche Spuren hinterlassen. Umso wichtiger sei es, weiterhin konsequent am Leitbild „Gute Arbeit“ festzuhalten.
Zusammenfassend und mit Blick auf die tiefgreifenden Transformationsprozesse im Saarland und in der Arbeitswelt betont Caspar, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz, Weiterqualifizierung, ein angemessenes Einkommen, Tarifverträge sowie eine menschenwürdige Rente die Mindestvoraussetzungen für Gute Arbeit darstellen. „Nur mit guten Arbeitsbedingungen können die Herausforderungen unserer Zeit und der Wandel der Arbeitswelt erfolgreich bewältigt werden.“
Hintergrund:
Weitere Informationen zum „Index Gute Arbeit Saar“ finden sich unter:
www.arbeitskammer.de/index-gute-arbeit-saar
Ansprechpartner für die Beschäftigtenbefragung:
Dr. Matthias Hoffmann
Telefon: 0681 - 4005 329