Die Arbeitskammer des Saarlandes kritisiert die ausbleibende Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Obwohl die Frist zur Überführung der europäischen Vorgaben in nationales Recht am 7. Juni 2026 um 24 Uhr abgelaufen ist, liegt bis heute kein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor.
Dabei mangelt es nicht an Vorarbeit: Bereits im November 2025 hatte eine Expertenkommission konkrete Vorschläge für die Umsetzung vorgelegt. Aus Sicht der Arbeitskammer hätte das Gesetzgebungsverfahren längst auf dieser Grundlage beginnen müssen. Stattdessen verweist die Bundesregierung weiterhin auf laufende Abstimmungen – ein konkreter Zeitplan ist nicht erkennbar.
„Die Frist ist verstrichen, doch die Beschäftigten warten weiterhin. Die Bundesregierung muss jetzt zügig handeln und einen Gesetzentwurf vorlegen“, erklärt Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer des Saarlandes.
Mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie sollen Lohnunterschiede besser sichtbar gemacht und strukturelle Benachteiligungen – insbesondere von Frauen – wirksam abgebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem erweiterte Auskunftsrechte für Beschäftigte sowie deutlich mehr Transparenz über Entgeltstrukturen in Unternehmen.
„Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit darf kein Lippenbekenntnis bleiben. Die Richtlinie bietet die Chance, bestehende Defizite im deutschen Entgelttransparenzrecht zu beseitigen und Lohngerechtigkeit tatsächlich voranzubringen“, so Zeiger. Das bisherige Entgelttransparenzgesetz habe zwar erste Impulse gesetzt, stoße in der Praxis jedoch an deutliche Grenzen.
Die Arbeitskammer spricht sich deshalb für eine schnelle und konsequente Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht aus. Dabei sollten insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden:
- klare und praktikable Auskunftsrechte für Beschäftigte,
- mehr Transparenz bei betrieblichen Entgeltstrukturen,
- angemessene und zugleich handhabbare Berichtspflichten für Unternehmen,
- eine stärkere Einbindung und Stärkung der betrieblichen Interessenvertretungen.
„Es geht um faire Chancen und faire Bezahlung für Frauen und Männer. Die Bundesregierung sollte die überfällige Umsetzung jetzt entschlossen angehen. Jeder weitere Aufschub verzögert Fortschritte bei der Entgeltgleichheit“, betont Zeiger.
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