Nationaler Bildungsbericht 2026 bestätigt Handlungsbedarf im Saarland – Arbeitskammer fordert Bildungsoffensive von der Kita bis zur Hochschule

Pressedienst vom

Der gestern veröffentlichte Nationale Bildungsbericht 2026 bestätigt zentrale Befunde der Arbeitskammer: Bildungsungleichheiten bestehen fort, der Fachkräftemangel verschärft sich und insbesondere die frühkindliche Bildung bleibt ein entscheidender Hebel für mehr Chancengerechtigkeit. „Die Probleme im Bildungssystem werden größer, gleichzeitig kommen notwendige Reformen nur langsam voran. Der Nationale Bildungsbericht bestätigt damit die Entwicklungen, die wir auch für das Saarland feststellen“, erklärt Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes.

Der Nationale Bildungsbericht zeigt, dass die Bildungsbeteiligung weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängt. Kinder aus Familien mit geringer formaler Bildung oder mit Einwanderungsgeschichte sind in der Kindertagesbetreuung nach wie vor unterrepräsentiert. Die Unterschiede bei der Nutzung frühkindlicher Bildungsangebote haben sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verringert.

Für die Arbeitskammer ist dies besonders besorgniserregend. Frühkindliche Bildung müsse gerade diejenigen Kinder erreichen, die von ihr am stärksten profitieren können. „Ungleiche Startbedingungen dürfen nicht schon vor dem Schuleintritt verfestigt werden. Deshalb brauchen wir gezielte Unterstützung für Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien und Familien mit Einwanderungsgeschichte“, so Otto.

Frühkindliche Bildung als Schlüssel für Bildungsgerechtigkeit
Der Nationale Bildungsbericht unterstreicht die große Bedeutung früher Bildungsphasen für die Verringerung von Bildungsungleichheiten. Investitionen in frühkindliche Bildung seien besonders wirksam und gesellschaftlich rentabel.

Auch Daten der Bertelsmann Stiftung zeigen den dringenden Handlungsbedarf: In den Kindertageseinrichtungen stehen derzeit lediglich rund 66 Prozent des empfohlenen Personals zur Verfügung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an frühkindliche Bildung kontinuierlich.

Die Arbeitskammer fordert deshalb eine umfassende Fachkräfteoffensive, bessere Arbeitsbedingungen in den Kitas sowie zusätzliche Unterstützungsstrukturen, damit pädagogische Fachkräfte mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern haben. Einrichtungen in sozial besonders belasteten Lagen müssen zudem gezielt gestärkt werden, z.B. nach dem Konzept der Familienzentren.

Bildungserfolg darf nicht von Herkunft abhängen
Die Folgen ungleicher Bildungschancen zeigen sich im weiteren Bildungsverlauf deutlich. Im Saarland verfehlen laut IQB-Bildungstrend rund 34 Prozent der Neuntklässler*innen die Mindeststandards im Fach Deutsch. Gleichzeitig verlassen inzwischen rund 10 Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss – mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.

Die Arbeitskammer fordert deshalb eine strategische Neuausrichtung der Bildungspolitik. Schulen benötigten klare Bildungsziele, eine datengestützte Steuerung, verlässliche Förderstrukturen und multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie weiteren Fachkräften.

Fachkräftemangel im Bildungssystem wirksam bekämpfen
Der Nationale Bildungsbericht macht deutlich, dass Personalengpässe inzwischen die Qualität und Verlässlichkeit von Bildungsangeboten gefährden. Ohne ausreichend qualifiziertes Personal seien weder Bildungsqualität noch Chancengerechtigkeit zu sichern. Daraus ergibt sich ein klarer politischer Auftrag: Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte muss zu einer der wichtigsten bildungspolitischen Prioritäten werden.

Migration als Chance für die Bildungsentwicklung nutzen
Im Saarland haben nach aktuellen Berechnungen auf Grundlage des Mikrozensus inzwischen 47,75 Prozent der Kinder und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter einen Migrationshintergrund. Sprachförderung, Mehrsprachigkeit und die Gewinnung internationaler Lehrkräfte sind daher zentrale Zukunftsaufgaben. „Sprachliche Vielfalt darf nicht als Defizit betrachtet werden. Sie ist eine Ressource für unsere Gesellschaft und unser Bildungssystem“, betont Otto.

Bildungspolitik ist Zukunftspolitik
Die Arbeitskammer fordert eine konsequente Weiterentwicklung des Bildungssystems entlang der gesamten Bildungsbiografie – von der Kita über die Schule und Ausbildung bis hin zur Hochschule. Das Ziel für das Jahr 2040 ist ein Bildungssystem, das Chancen eröffnet, statt Defizite zu verwalten: mit starken Kitas, erfolgreichen Schulen, verlässlichen Übergängen in Ausbildung und Studium sowie einer deutlich höheren Bildungsgerechtigkeit.

„Wer heute in Bildung investiert, investiert in Fachkräfte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit des Saarlandes. Bildungspolitik ist deshalb eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben unseres Landes“, so Otto abschließend.

Kernbotschaften

  • Nur 66 Prozent des empfohlenen Kita-Personals stehen derzeit zur Verfügung – die Fachkräftegewinnung muss höchste Priorität haben.
  • Rund 34 Prozent der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler verfehlen die Mindeststandards in Deutsch.
  • Etwa 10 Prozent eines Jahrgangs verlassen die Schule ohne Abschluss – mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren.
  • 47,75 Prozent der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen im Saarland haben einen Migrationshintergrund – Sprachförderung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe.
  • Frühkindliche Bildung ist der wirksamste Hebel für mehr Bildungsgerechtigkeit.
  • Ziel für 2040 ist ein Bildungssystem, das Chancengerechtigkeit stärkt, Fachkräfte sichert und Herkunft weniger über Bildungserfolg entscheiden lässt.
     
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